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27.05.13 10:21 Alter: 5 yrs

aktuelle AssCompact-Kolumne 06/13

 

Versicherungsbranche startet freiwillige

Weiterbildungsinitiative

Hier als pdf-Datei.

In dem Ende letzten Jahres vorgestellten Verhaltenskodex für den Vertrieb ist vorgesehen, dass Versicherer nur noch mit Versicherungsvermittlern zusammenarbeiten sollen, die sich laufend fortbilden und dies auch nachweisen. Nun legt die Branche nach. Sie präsentiert eine von verschiedenen Versicherern und Verbänden getragene freiwillige Weiterbildungsinitiative, die die Versicherungsvermittler zu einer regelmäßigen Weiterbildung motivieren soll. Doch ganz so freiwillig ist die Aktion nicht: Im Entwurf der überarbeiteten Richtlinie über Versicherungsvermittlung ist eine ständige berufliche Weiterbildungsverpflichtung vorgesehen. Dennoch ist die Initiative sinnvoll. Ein erster Überblick.

 

Die Initiatoren weisen zu Recht darauf hin, dass die sozialpolitische Bedeutung der Versicherungsvermittler für die Risiko- und Altersvorsorge eine angemessene Qualifikation der Vermittler erfordere. In den vergangenen Jahren hat die Versicherungswirtschaft – wenn auch nicht immer ganz freiwillig – bereits dafür gesorgt, dass Versicherungsvermittler vor der Aufnahme einer Vermittlungstätigkeit eine Basisqualifikation erwirbt und nachweist. Jetzt geht es im nächsten Schritt darum, dass die mit der Basisqualifikation erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten der Vermittler durch regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen aufgefrischt und aktualisiert werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern sich stetig. Hektischer Aktionismus treibt den Gesetzgeber im Bereich der sozialen Absicherung: Altersvermögensgesetz, Alterseinkünftegesetz, Altersvorsorge-Verbesserungsgesetz und kein Ende in Sicht. Produktinnovationen überfluten als Folge den Markt. Seit Jahren müssen sich Vermittler zudem auf Änderungen der rechtlichen Anforderungen an ihre Vermittlungstätigkeit einstellen. Die einmal erworbene Basisqualifikation kann da nicht mithalten. Deshalb ist eine regelmäßige Weiterbildung notwendig – beispielsweise über neue Produkte oder veränderte rechtliche Rahmenbedingungen. Für Versicherungsvermittler mit Qualitätsanspruch gehört dies längst zu ihrem professionellen Selbstverständnis. Die Initiative will die Vermittler in der Breite von der Notwendigkeit der Weiterbildung überzeugen und ihnen die Möglichkeit geben, ihr Weiterbildungsengagement in transparenter Form auch für den Verbraucher zu dokumentieren.

 

Zielsetzung und Leitbild

 

Dabei soll es kein einheitliches und verbindliches Weiterbildungspensum für die Versicherungsvermittlung geben; dazu sind Tätigkeitsschwerpunkte von Versicherungsvermittlern zu stark ausdifferenziert. Vielmehr sollen grundsätzlich alle Weiterbildungsaktivitäten berücksichtigt und angerechnet werden, die zu einer Verbesserung der Kundenberatung geeignet sind. Dazu haben die Initiatoren ein Leitbild für die Weiterbildung der Versicherungsvermittler entwickelt, das sich am Bedarf der Kunden orientiert:

 

 

 Weiterbildung unterstützt Vermittler bei ihrer Aufgabe

 

Privat- und Gewerbekunden situations- und bedarfsgerecht zu beraten und kundengerechte Versicherungs- und Vorsorge-Lösungen zu entwickeln und anzubieten,

 

Bestandskunden regelmäßig und nachhaltig zu betreuen,

 

im Schadensfall notwendige Servicemaßnahmen zügig und umfassend zu organisieren,

 

Schäden sach- und vertragsgerecht zu regulieren und

 

die Qualität der Beratungs- und Betreuungsprozesse kontinuierlich sicherzustellen.

 

 

Das Leitbild wird durch eine detaillierte Beschreibung der erforderlichen Kompetenzen konkretisiert. Folgende Ziele sollen mit der Initiative erreicht werden: Impulse für die Weiterbildung der Vermittler werden gegeben, die insbesondere die Fach- und Beratungskompetenz der Vermittler stärken. Eine Kultur der selbstverantwortlichen Weiterbildung durch alle Versicherungsvermittler wird entwickelt, die für Dritte in einer einheitlichen Form nachvollziehbar dargestellt ist. Jeder Vermittler kann gegenüber seinen Kunden seine regelmäßige Weiterbildung nachweisen und dem Anspruch der revidierten EU-Vermittlerrichtlinie wird Rechnung getragen.

 

Konzeption

 

Das Konzept der Weiterbildungsinitiative setzt auf die freiwillige Teilnahme der Versicherungsvermittler und orientiert sich an den eingeführten Weiterbildungssystemen der freien Berufe, in denen Bildungsaktivitäten durch das Sammeln von sogenannten Credit Points oder Weiterbildungspunkten gegenüber der Öffentlichkeit dokumentiert werden. Teilnehmende Vermittler sollen in einem Zeitraum von fünf Jahren 200 Weiterbildungspunkte sammeln. Ein Weiterbildungspunkt repräsentiert eine Lerneinheit von 45 Minuten. Umgerechnet sind das 40 Punkte pro Jahr, also fünf Tage mit jeweils acht Lerneinheiten. Das sollte machbar sein. Die individuellen Weiterbildungsaktivitäten werden auf einem Weiterbildungskonto des teilnehmenden Vermittlers mit den zugehörigen Punktzahlen erfasst.

 

Anrechnung und Bewertung

 

Welche Maßnahmen der Weiterbildung für Versicherungsvermittler angerechnet und mit Weiterbildungspunkten ausgestattet werden, legen Regeln zur Anrechnung von Weiterbildungsaktivitäten fest, die sich am Leitbild für die Weiterbildung der Versicherungsvermittler orientieren. Dabei finden nur solche Weiterbildungsaktivitäten Berücksichtigung, die sich positiv in der Qualität und im Prozess der Kundenberatung niederschlagen. Dazu müssen die mit Weiterbildungspunkten angerechneten Aktivitäten geeignet sein, die Fach- und Beratungskompetenz des Vermittlers zu verbessern.

 

 

Inhaltlich stützt sich die Initiative auf den vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Kultusministerkonferenz (KMK) initiierten ­„Deutschen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen (DQR)“, der bildungsbereichsübergreifend alle Qualifikationen des deutschen Bildungssystems erfasst. Der DQR unterscheidet zwei Kompetenzkategorien: „Fachkompetenz“, unterteilt in „Wissen“ und „Fertigkeiten“, und „Personale Kompetenz“, unterteilt in „Sozialkompetenz“ und „Selbstständigkeit“ („Vier-Säulen-Struktur“). Die Beratungskompetenz des Versicherungsvermittlers basiert nach der Überzeugung der Initiatoren auf allen vier Dimensionen dieses Kompetenzmodells und wird aus dem berufstypischen Tätigkeitsprofil des Versicherungsvermittlers abgeleitet. Dieses Tätigkeitsprofil wird aus den staatlich geregelten Berufsbildern des Wirtschaftszweigs fortgeschrieben, die als klassische Eingangsqualifikationen für die Versicherungsvermittlung gelten.

 

 

Die Bewertung und Festlegung, welche Anzahl von Weiterbildungspunkten für eine Bildungsmaßnahme anerkannt werden können, sollen sich nach einheitlichen Branchenstandards richten, die in sogenannten Anrechnungsregeln festgelegt sind. Die Bewertungen werden auf der Grundlage der Bildungsprogramme vorgenommen, die Bildungsanbieter für Weiterbildungsmaßnahmen anbieten. Dabei gehen die Initiatoren davon aus, dass Maßnahmen, die Eingang in die Weiterbildungskataloge oder Bildungsprogramme der Bildungsabteilungen und der freien Bildungsanbieter finden, in der Regel von Bildungsverantwortlichen mit berufspädagogischen Kenntnissen entwickelt worden sind und Lernziele oder Kompetenzen sowie detaillierte Ablaufpläne und Trainerleitfäden enthalten.

 

Datenbank beim BWV

 

Die Weiterbildungsaktivitäten aller an der Initiative teilnehmenden Vermittler werden in einer überbetrieblichen Weiterbildungsdatenbank dokumentiert, die beim Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V. als Geschäftsstelle der Initiative geführt wird. In der Weiterbildungsdatenbank werden alle teilnehmenden Vermittler mit ihren erworbenen Weiterbildungspunkten, die teilnehmenden akkreditierten Bildungsdienstleister und sogenannte Trusted Partner geführt. Die Trusted Partner kann sich der Vermittler selbst auswählen. Sie können für ihn die Erstanmeldung für die Kontoeröffnung vornehmen, die Personenstammdaten verwalten und/oder die Einmeldung von Weiterbildungspunkten übernehmen.

 

Nachweise

 

Vermittler, die nach einem Jahr 40 Weiterbildungspunkte erreicht haben, erhalten ein Jahreszertifikat über ihre Weiterbildung. Für 200 Weiterbildungspunkte innerhalb von fünf Jahren gibt es unternehmensübergreifendes 5-Jahres-Zertifikat. Optional kann auch ein Weiterbildungsausweis mit Lichtbild und Identifikationsnummer ausgestellt werden, sobald nach zwei Jahren 80 Weiterbildungspunkte vorliegen. Mit dem Weiterbildungsausweis kann der Vermittler seine Teilnahme an der Initiative dokumentieren und sich gegenüber externen Bildungsanbietern ausweisen. Für Ausschnittvermittler bzw. produktakzessorische Vermittler gelten niedrigere Werte.

 

 

In 2013 soll das Konzept bei zwölf Pilotunternehmen getestet werden. Dabei sollen vor allem die Weiterbildungsdatenbank und das Verfahren zum Übermitteln der Weiterbildungspunkte je Vermittler auf die Weiterbildungskonten auf den Prüfstand gestellt werden. Ferner sollen die Regeln zur Anrechnung von Weiterbildungsaktivitäten erprobt werden. Ab 2014 soll die Initiative für alle interessierten Versicherungsvermittler, Versicherungsunternehmen und Bildungsanbieter geöffnet werden.

 

 

Natürlich ist die Weiterbildungsinitiative zu begrüßen. Allerdings kann sie allein die Beratung nicht verbessern. Dazu gehört mehr. Vor allem die Überzeugung, Dienstleister für den Kunden zu sein. Wenn die Initiative ernsthaft umgesetzt wird, kann sie einen wichtigen Beitrag leisten. Dies setzt aber voraus, dass die Credit Points den Vermittlern nicht „hinterhergeworfen“ werden.


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