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04.04.13 14:05 Alter: 5 yrs

aktuelle AssCompact-Kolumne 04/13

 

Verhaltenskodex für den Vertrieb von Versicherungsprodukten verschärft

Hier als pdf.-Dokument.

Der GDV hat seinen Verhaltenskodex für den Vertrieb erweitert und verschärft. Der überarbeitete Kodex enthält insbesondere neue Inhalte zu Compliance und Weiterbildung. Mit dabei eine Formulierung, die aufhorchen lässt: Versicherungsunternehmen geben sich für ihre Mitarbeiter und Vermittler (!) Compliancevorschriften. Zwischen Maklern und Vertretern wird nicht unterschieden. Heißt das, dass Versicherer den Maklern Verhaltensvorschriften geben wollen? Wie soll das gehen? Makler werden das kaum akzeptieren. (Fortsetzung der Kolumne aus ­AssCompact 03/2013)

Versicherungsunternehmen haben keine Recht­setzungsbefugnisse und können deshalb Versicherungsmakler allenfalls vertraglich verpflichten – wenn diese zustimmen. Ansonsten können weder Versicherungsunternehmen noch der GDV den Maklern verbindliche Verhaltensregeln geben. Das wissen auch die im GDV organisierten Versicherungsunternehmen. Sie wollen deshalb den Maklern Verhaltensregeln nicht unmittelbar geben, sondern mittelbar: Sie verpflichten sich selbst, nur noch mit Versicherungsmaklern zusammenzuarbeiten, die die Compliancevorstellungen der Versicherungsunternehmen grundsätzlich akzeptieren. Ein deutliches politisches Signal an die Maklerschaft.

Die Versicherungsunternehmen wollen die Katharsis für die gesamte Branche und für alle Beteiligten. Natürlich haben Versicherer die Freiheit, selbst darüber bestimmen zu können, ob und mit wem sie im Vermittlungsbereich zusammenarbeiten wollen. Und doch stößt es auf Bedenken, wenn Versicherungsunternehmen Compliancevorschriften für Makler entwickeln und die Zusammenarbeit mit ihnen davon abhängig machen, dass sie die gesetzten Regeln akzeptieren.

Da sind zunächst praktische Hürden. Wenn jedes Unternehmen eigene Compliancevorschriften entwickelte, müssten Makler die verschiedensten Regelwerke beachten und logistisch bewältigen. Aus Maklersicht undenkbar. Also gemeinsame Vorschriften für alle Versicherer? Das wäre – mal ganz abgesehen von kartell- und wettbewerbsrechtlichen Fragen – schlicht instinktlos und Gift für das Klima zwischen Maklern und Versicherern. Also was tun?

Makler sind gut beraten, sich eigene Gedanken über Compliance zu machen. Ächtung von Korruption, Bestechung und Bestechlichkeit und klare Regeln für den Umgang mit Incentives und sonstigen Zuwendungen sollten für Makler, die sich als Vertraute und Sachwalter ihrer Kunden verstehen, selbstverständlich sein. Nichts hindert die Makler daran, das Gesetz des Handels in die Hand zu nehmen und sich selbst einen eigenen Kodex zu geben. Entscheidender Vorteil: Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung. Die Zeit dafür ist reif.

Grundsätzlich sind drei Wege denkbar. Erstens: Jedes Maklerunternehmen gibt sich einen eigenen Kodex. Das ist bei größeren Maklerunternehmen denkbar, aber für kleinere Maklerunternehmen sehr aufwendig und eher lästig. Zweitens: Maklerverbände entwickeln einen Verbandskodex, dem sich die Mitglieder verpflichten. Das ist zum Teil schon umgesetzt, erreicht aber wegen des geringen Organisationsgrads der Maklerschaft nicht alle. Drittens: Die Verbände einigen sich auf eine Branchenempfehlung, der sich nicht-organisierte Makler anschließen können. Das müsste machbar sein. Allerdings müssen die Inhalte angemessen und die Umsetzung wirksam sein. Auch für Makler gilt: Wir müssen tun, was wir sagen.

Im Folgenden zu den weiteren Leitsätzen (Leitsätze 1 – 3 siehe AssCompact 03/2013, Seite 90f.)

4. Beratungsdokumentation bei Abschluss
Nach dem Verständnis des GDV kommt der ordnungsgemäßen Dokumentation des Beratungsgesprächs eine besondere Bedeutung zu. Es wird klargestellt, dass nach der Vorstellung des Gesetzgebers ein Verzicht des Kunden auf die Dokumentation immer nur als Ausnahme in Betracht kommen kann. Leider fehlt nach wie vor eine korrespondierende und ebenso klare Aussage zum Beratungsverzicht.

5. Beratung des Kunden auch nach Vertragsschluss
Für Makler selbstverständlich, wenn auch in der konkreten Ausgestaltung umstritten, ist die Beratung und Betreuung des Kunden nach Vertragsschluss. Versicherungsunternehmen sind seit der VVG-Reform gesetzlich zur Beratung nach Vertragsschluss verpflichtet, soweit ein Anlass zur Beratung erkennbar ist. Der GDV sieht darin – sicher zu Recht – die Grundlage für eine nachhaltige Kundenbeziehung.

6. Bei Abwerbungen bzw. Umdeckungen von Versicherungsverträgen ist das Kundeninteresse zu beachten
Die Abwerbung von Versicherungsverträgen soll nur mit wettbewerbskonformen Mitteln zulässig sein. Das war schon immer so. Insgesamt immer noch sehr vorsichtige Formulierungen. Offenbar ein heikles Thema für den GDV. Die Abwerbung von Lebens- oder Krankenversicherungen könne für den Kunden von Nachteil sein. Deshalb sei der Kunde über die Nachteile aufzuklären. Das ist sehr halbherzig. Wieso nur aufklären? Warum nicht unterlassen? Immerhin ist die Aufklärung über eventuelle Nachteile nunmehr in die Beratungsdokumentation aufgenommen werden.

7. Eindeutige und klare Legitimation von Vertretern, Maklern und Beratern gegenüber dem Kunden
Dies entspricht der Erstinformationspflicht nach der VersVermV. Offenbar besteht immer noch Handlungsbedarf. Zahlreiche Vermittler agieren mit Tarnkappenbezeichnungen wie Vermögensberater oder Finanzoptimierer und verschleiern so ihren Vermittlerstatus.

8. Hoher Stellenwert der Vermittlerqualifikation
Die Ausführungen zur Vermittlerqualifikation entsprechen dem Selbstverständnis der Versicherungswirtschaft. Die Versicherungsunternehmen stellen „eine hochwertige Ausbildung der Vermittler“ sicher. Neu ist die besondere Betonung der Weiterbildung. Die Versicherungsunternehmen wollen nur noch mit Vermittlern zusammenarbeiten, die sich laufend fortbilden und dies auch nachweisen. Das ist sinnvoll. Offenbar will der GDV auch gegebenenfalls schärferen gesetzlichen Vorgaben zuvorkommen. Die Umsetzung bleibt abzuwarten.

9. Zusatzvergütungen von Versicherungsmaklern
Das Thema Vergütung von Versicherungsmaklern geht der GDV nur mit ganz spitzen Fingern an. Es wird lediglich allgemein festgestellt, dass umsatzbezogene Zusatzvergütungen die Unabhängigkeit des Versicherungsmaklers „tangieren“ können. Deshalb sei darauf zu achten, dass Vereinbarungen über umsatzbezogene Zusatzvergütungen die Unabhängigkeit des Maklers und das Kundeninteresse nicht beeinträchtigen. Wachsweich und unbestimmt. Damit kann man den Kritikern der Provisionsvergütung nicht das Wasser abgraben.

10. Hinweis auf das bestehende Ombudsmannsystem für Versicherungen
Vermittler sind ohnehin verpflichtet, im Rahmen der Erstinformation auf die Ombudsleute hinzuweisen. Insoweit also keine neuen Erkenntnisse.

11. Verbindlichkeit des Kodex und Evaluierung
Neu ist die Verbindlichkeit, mit der der überarbeitete Kodex ausgestattet wird. Versicherer sollen die Regeln des Kodex als verbindlich anerkennen und in den Grundsätzen des eigenen Unternehmens verankern. Sie sollen außerdem nur noch mit Versicherungsvermittlern zusammenarbeiten, die die im Kodex verankerten Grundsätze anerkennen und praktizieren. Die Versicherer sollen zudem die Umsetzung des Kodex in ihren Unternehmen durch Wirtschaftsprüfer prüfen lassen. Allerdings kann sich die Prüfung auf die Angemessenheit oder auf die Wirksamkeit beziehen. Im Falle der Angemessenheitsprüfung beschränkt sich die Prüfung auf die Feststellung, dass das Unternehmen die Regeln des Kodex in die eigenen Vorschriften aufgenommen hat. Also eine rein formale Prüfung. Nur im Falle der Wirksamkeitsprüfung wird untersucht, ob die Regelungen auch praktiziert werden.

Da bleiben viele Fragen offen. Wirtschaftsprüfer sind Zahlenmenschen. Wenn sich die Wirksamkeitsprüfung auf die Zählung der Fortbildungsveranstaltungen beschränkt, die Vermittler besucht haben, dürfte auch der neue Kodex ein zahnloser Tiger bleiben.

Fazit

Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass der GDV das Thema Verhaltenskodex im Vertrieb noch einmal aufgegriffen und verschärft hat. Ob es sich dabei nur um einen weiteren Reflex auf den politischen Druck oder tatsächlich um eine Qualitätsoffensive handelt, wird sich zeigen. Das wird wesentlich davon abhängen, ob sich die Mehrheit der Versicherer die Inhalte und Werte des Verhaltenskodex zu eigen macht und sie tatsächlich umsetzt. Abzuwarten bleibt auch, ob es die Maklerschaft schafft, einen eigenen Kodex zu entwickeln.

 


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